Sonntag, 30. September 2012

Food-Tuning – Sinn oder Unsinn? (Kolumne)



Die meisten Menschen in sogenannten „reichen“ Ländern verlassen sich heute beim einkaufen und Essen lediglich noch auf den Sehsinn! Es reicht ihnen, wenn ein Essen im Restaurant, bei der Gemeinschaftsverpflegung oder Zuhause gut präsentiert aussieht. Essen geht zwar eigentlich durch den Magen, aber das Auge will oder muss heute modisch geschmeichelt werden. Viele Köche und industrielle Fooddesigner sind heute modische Food – Tuner. Das ist paradox!

Das pure Aussehen der verschiedenen Bestandteile unserer Nahrung, welche für Gesundheit und Bekömmlichkeit entscheiden, ist eigentlich oftmals recht unscheinbar. Wer schnuppert noch an einer frisch geöffneten Tüte Mehl? Wir beurteilen die Auswahl an frischem Gemüse und Früchten, Fisch, Fleisch, ect. durch das Ansehen. Etwas einfach Anfassen, daran riechen und es mit den Händen abwägen ist meistens nicht erwünscht oder macht wegen der meistens hygienischen Verpackung keinen Sinn mehr. Wir kaufen aus Zeit - und Gelegenheitsmangel nichts mehr beim Produzenten oder auf dem Markt. Stattdessen verlassen uns längst auf das Angebot im Supermarkt und auf die Produkte der Lebensmittel - Industrie. Das Kleingedruckte lesen wir nicht. Speisen und Getränke sind längst uniform. Ein Foto auf der Verpackung oder ein Logo reicht uns. Wir achten stattdessen im Restaurant oder am Imbissstand auf die Anrichtungsart oder die Präsentation eines Gerichts. Das gleiche gilt für Fertig - oder Convinience Produkte.

Darum sollten wir Köche, Gastronomen und Gemeinschafts-Verpfleger uns Gedanken über den Sinn und Unsinn des Food - Tunings machen. Oftmals liegen wir heute völlig daneben. Wir tun den Menschen damit nichts Gutes, wenn wir bei unseren Speisen nur auf eine ansprechende Optik achten. Lebensmittel, das sagt das Wort, sind Mittel zum Leben. Moderne Konservierungsmittel und die verschiedensten Chemikalien aus der heutigen Lebensmittelindustrie sind mit Bedacht zu verwenden. Das gilt besonders für genmanipulierte Produkte, die immer mehr und oft unbeachtet auf unseren Tellern landen. Das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben und Anspruch unseren Kunden gegenüber. Wir müssen uns heute mit dieser Thematik ernsthaft befassen.

Mittwoch, 26. September 2012

Kühlung ohne Strom? Adiabatische Kühlung



Kühlung ohne Strom?  Adiabatische Kühlung

Es geht um die größten Stromfresser, die wir hier in der Dominikanischen Republik haben. Das sind im privaten Bereich Kühlung, Tiefkühlung & Klimaanlagen. Vor allem Kühlung von Lebensmitteln und Getränken und die Konservierung oder längere Haltbarkeit durch Tiefkühlung.

Eines der elementarsten Probleme auf dem Campo von Samana ist der elektrische Strom. Es gibt hier Strom, aber leider noch nicht überall und auch nicht immer. Campo bedeutet in diesem Fall ein Barrio (Ortsteil) für Einheimische oder eine kleine Landgemeinde oder Weiler abseits der Touristengebiete. Können sie sich vorstellen, wie es ist, über mehrere Stunden am Tag keinen Strom zu haben? Oder noch extremer, sie haben überhaupt keinen Strom! Dazu kommt die erschwerende Tatsache, dass Strom hier extrem teuer ist. Wer weiß, was er genau pro kWh bezahlt? Wir bezahlen hier zwischen 14 und 18 Pesos pro kWh. Das ist umgerechnet derzeit zwischen 0,27 und 0,35 Euro pro kWh.

Wir leben in den Tropen und es ist entsprechend heiß. Über einen Mangel an täglichen Sonnenstunden können wir uns mit Sicherheit nicht beklagen. Diejenigen, die e sich leisten können, schalten die Klimaanlage an. Klimaanlagen sind bekanntlich Stromfresser. Auch ein einfacher Ventilator verbraucht viel Strom. Kühlschränke und Tiefkühler laufen hier meistens auf Hochtouren und vereisen entsprechend schnell. Alternativen bieten Wind oder Solartechnik, Gaskühlschränke und auch adiabatische Kühlung. Auf die Letztere möchte ich hiermit näher eingehen.

Was ist adiabatische Kühlung (Verdunstungskühlung)

Es geht um ein Naturgesetz. Allgemein bekannt ist, dass Luft die Eigenschaft hat, Wasser in Form von Wasserdampf aufzunehmen. Unsere Luft versucht immer Wasserpartikel zu verdunsten (zu verdampfen) und in sich zu speichern, und dies solange, bis sie "gesättigt" ist. Luft ist bei 100% Luftfeuchtigkeit gesättigt.
Verdunstungskälte ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine physikalische Erscheinung, die man richtiger Verdunstungskühlung nennen sollte. Damit ist die beim verdunsten einer Flüssigkeit auftretende Abkühlung der Flüssigkeit selbst und ihrer Umgebung gemeint. Diese Abkühlung wird dadurch verursacht, dass der Flüssigkeit und ihrer Umgebung die zum Verdunsten erforderliche "Verdunstungswärme" (Verdampfungswärme) entzogen wird. Man nennt dies mit dem Fachausdruck "adiabatische Kühlung".
Dieser Verdunstungsvorgang und damit die Verdunstungskühlung verstärkt sich, wenn der so entstehende Dunst durch einen trockenen Luftzug möglichst rasch abgeführt wird, sodass ständig wieder ungesättigte Luft an die Stelle gelangt, wo die Verdunstung stattfindet.

Ist die uns umgebende Luft mit Wasserdampf gesättigt, beträgt die relative Luftfeuchte wie gesagt  100%. Es findet dann keine Verdunstung mehr statt und demzufolge auch keine Wärmeabfuhr mehr.

Zum besseren Verstehen ein Beispiel:
 
Man weiß, wie kalt es einem ist, wenn man an einem trockenen, heißen aber windigen Tag nass dem Wasser entsteigt und die Haut an der Luft trocknet. Man weiß auch, wie kühl sich ein angeblasener Finger anfühlt, den man zuerst in ein Glas Wasser getaucht hat. Diese Kühlung ist real und man kann diesen Effekt auch zur Kühlung nehmen oder anwenden.

Das Prinzip ist nicht neu und wird zum Teil seit tausenden Jahren von Mensche in entsprechenden Klimazonen angewendet. Bekannt ist das zum Beispiel in sehr trockenen Regionen der Welt wie zum Beispiel in Afrika. Dort kühlt man in ländlichen Regionen ohne permanente elektrische Stromversorgung seit jeher mit sogenannten Kühltöpfen. Das Prinzip ist so einfach und somit hinlänglich bekannt. In unserer sonst so modernen Welt wurde diese Art der Kühlung längst durch die anfangs genannten Elektrogeräte abgelöst. Auf der anderen Seite rückt die adiabatische Kühlung durch das heutige vermehrte Umweltbewusstsein immer mehr in den Blickpunkt vor allem von Klimatechnikern. Dabei geht s jedoch meistens um teure Hightech und sogenannte Alternativtechnologie.

 Eine 24 Jahre alte britische Studentin hat sich über adiabatische Kühlung Gedanken gemacht. Sie nutzt zur Kühlung jedoch keine Photovoltaik, keinen elektrischen Strom, keine Chemikalien und auch keine beweglichen Teile, um den gewünschten Kühleffekt zu erzielen. Die junge Frau wendet die Logik der Kühlung auf der Basis von Verdampfung (adiabatische Kühlung) mit einem simplen, billigen und doch genialem System an. Sie nutzt somit eine der grundlegenden Anwendungen der Gesetze der Physik: „Ersetze etwas durch nichts“. Man wendet das bekannte Verdampfungsprinzip durch die von der Sonne ausgehende Wärme an. Ein ideales Konzept für Dörfer, wie bei uns hier auf Samana, ohne Strom und ohne Geld für teure Photovoltaik (Solarpaneels).

Kommen wir auf den Punkt!

Ihr Kühlgerät besteht aus zwei ineinander gestellten Zylindern. Während der innere Zylinder aus Metall (rostfreier Edelstahl) ist, kann der äußere aus Holz, Plastik oder auch aus Keramik hergestellt werden. Der Raum zwischen dem inneren und dem äußeren Zylinder wird mit gefilzter Wolle (Lumpen), Sand, Erde oder anderen Wasser aufnehmenden Materialien gefüllt. Sogar zerrissene Zeitungen können angewendet werden.
Die Lebensmittel oder as Kühlgut werden im inneren Zylinder platziert. In den Zwischenraum zwischen den beiden Zylindern wird einfach soviel Wasser geschüttet, bis die jeweilige Füllmasse gut durchtränkt ist. Der Zylinder wird gut verschlossen, damit das Kühlgut nicht mit dem Dämmmaterial in Berührung kommt. Sobald die Sonne den äußeren Zylinder erhitzt, verdampft das Wasser im Zwischenraum und die Wärme im inneren Zylinder mit dem Kühlgut wird entzogen. Da das Dämmmaterial das Metall des inneren Zylinders berührt, entzieht die Sonnenstrahlung dem Kühlbehälter die Wärme. Je kompakter und leitfähiger die Füllmasse und der innere Zylinder sind, desto schneller wird die Wärme aus dem Innern des Zylinders ausgeleitet. Die innere Kammer wird so sehr kalt. Der innere Zylinder kann so über Tage eine Innentemperatur von 5-6 Grad halten. Mann muss nur immer genug Wasser zum verdunsten nachfüllen.

Ersatzteile sind bei dieser Technik nicht notwendig. Durch Wiederauffüllen der Füllmasse mit Wasser wird die Kühlung bei direkter Sonneneinstrahlung oder Zufuhr von Wärme fortgesetzt. Gebiete mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von 10 Stunden pro Tag  bieten ideale Bedingungen diese Erfindung. Eventuell muss man die so entstehende feuchte Luft oder bei zu hoher Luftfeuchtigkeit zum Beispiel durch ein mit Wind betriebenes Gebläse ableiten.

Der Hauptkritikpunkt ist, dass dieser Öko-Kühlschrank komplett von der Natur abhängt, um das Innere kühl zu halten. Bei sorgfältiger Auswahl der Materialien für das Dämmmaterial und für den Innenzylinder könnte so eine sehr ertragreiche Geschäftsidee entstehen, die das Thema der Kühlung in tropischen Gebieten revolutioniert.



Noch einmal!
Die Anwendung der adiabatischen Kühlung ist sehr alt und beruht auf dem einfachen
Prinzip, dass Wasser, wenn es in einem abgeschlossenen System verdunstet, diesem
System Wärme entzieht, und damit die Systemtemperatur abnimmt.  Man sieht hier bei uns öfters in hiesigen Colmados (Tante Emma Laden). Dort hängt man eine Plastiktüte mit Wasser unter das heiße Zinkdach und durch die Verdunstung entsteht etwas Kühlung und es vertreibt die Fliegen. .  

Im Bereich der Lebensmittelkühlung fand und findet die adiabatische Kühlung ihre Anwendung. Erwähnt sei hier nur der historische Wassersack aus Ziegenhäuten. Oder der sogenannte ‘’Keferloher Maßkrug’’. Das ist der klassische tönerne oder keramische Bierkrug, der zurzeit auf dem Oktoberfest in München im Einsatz ist und dessen Gefäßoberfläche ständig mit Flüssigkeit benetzt ist, so dass die enthaltene Flüssigkeit durch die Verdunstung an der Oberfläche permanent gekühlt wird.

Ich werde bei uns in der Casa de Norma ausprobieren, ob sich dieses alternative Kühlprinzip auszahlt und wie es bei uns funktioniert. Wenn ja, denke ich, das ich damit einen alternativen Kühlschrank bauen kann, der sehr vielen armen Leuten vor Ort eine große Hilfe sein wird und somit eine sehr gute Geschäftsidee darstellt.

Sonntag, 16. September 2012

Der Baum des Lebens - Die Kokospalme (Cocos nucifera)



Den Baum des Lebens nennen oder nannten verschiedene tropische Kulturen einen überdimensionalen Grashalm. Er ist schön anzusehen und darum müsste er eigentlich „Baum der Träume“ heißen, wenn es nach der unerfüllten Sehnsucht der Menschen geht. Er steht seither für Exotik, tropische Gefilde, karibische Traumstrände und wird in diesem Sinne seit Jahren von der Werbung missbraucht! Es geht um die Kokospalme!

Verbreitung

Kokospalmen findet man heute weltweit in den tropischen Regionen. Diese biegsamen und besonders schlanken Palmen stammen ursprünglich aus der pazifischen Südsee. Sie gedeihen besonders an tropischen Meeresküsten und Flussläufen. Weil Kokosnüsse gut schwimmen und praktisch unkaputtbar sind, konnten sie sich lange, bevor der Mensch sie dorthin brachte, über das Meer bis an weit entfernte Küsten und Inseln verbreiten. Kokospalmen überstehen selbst die schlimmsten Hurrikans. Überflutung mit Meerwasser macht ihnen praktisch nichts aus. Was uns mit den Kokospalmen weiterhin verbindet, ist ihr großes Wärme- und Sonnenbedürfnis. Sie blühen und fruchten in den inneren Tropen bis zu den Wendekreisen. Weiter nördlich und südlich wird es der Coco schnell zu kalt.

Warum Baum des Lebens?

Weil nach wie vor praktisch jeder Teil der Coco verwendet wird. Palmenholz eignet sich in Industrieländern für viele hochwertige und innovative Anwendungs - und Gestaltungsmöglichkeiten im Interieur, so für Parkett, Tischplatten, Möbel, Treppen, Schränke oder Wandverkleidungen.

Die Palmholzbalken sind verhältnismäßig geringen Querschnitts, denn sie sind sehr langfaserig und hochbelastbar. Das Palmenholz hat eine konsistente Struktur, ist sehr hart und schwer, was es für die Herstellung von Standard- und maßgefertigten Produkten prädestiniert.

Aber die Kokospalme bietet den Menschen noch viel mehr! Urlauber benutzen Palmen meistens als klassisches Urlaubsmotiv und demonstrieren dabei mehr oder weniger ihre Sportlichkeit.  Das kennt man – man drapiert die Ehefrau, Lebenspartnerin oder gerade Angebetete mehr oder weniger leicht bekleidet in jeglicher Position auf einer Palme und fertig ist das vermeintlich perfekte Urlaubsbild. Oder der Herr der Schöpfung versucht sich in akrobatischer Leibesübung als Palmenkletterer und sein weibliches Pedant muss das mit der Kamera für die Nachwelt festhalten.

Es gibt noch eine weitverbreitete Mär, wie viele Menschen jährlich von einer Kokosnuss erschlagen werden! Dem sind gar nicht so viele und somit komme ich zu dem Teil der Palme, der am bekanntesten ist.

Die Kokosnuss

ist die Baumfrucht der Kokospalme und keine echte Nuss, sondern eine einsamige Steinfrucht. Kokospalmen liefern ab der zwölften Ernte vollen Ertrag. Nach 30 Jahren werden sie in den Plantagen für das Ernten und das Pflücken durch sogenannte Palmkletterer zu hoch. Die Kokospalme trägt zwischen 70 und 120 Nüsse pro Jahr und wird bis zum 30 Meter hoch. Die 20 bis 30 cm lange Frucht wiegt reif zwischen 900 und 2500 Gramm. Kokosnüsse reifen nach der Ernte nicht nach, sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten
Für Hobbyköche! Die Nuss ist essbar und wird auf verschiedenste Arten zubereitet. Frische Kokosnuss kann geschält oder ungeschält, geraspelt oder in Stücken eingefroren werden, sie hält sich im Gefriergerät wegen ihres hohen Fettgehaltes allerdings nicht länger als einen Monat frisch.
Die Kokosnuss besteht aus miteinander verwachsenen Karpellen. Daher auch die oft leicht dreieckige Form der Kokosnuss. Die drei Punkte, die man auf einer Seite sieht, sind die drei Keimlöcher, wobei immer nur ein Keim zu wachsen beginnt. Die beiden inaktiven Keimlöcher verhärten.

Die vielen Schichten der Kokosnuss

Die Meisten kennen davon nur den Samen, also die harte braune Schale und das innere weiße Kernfleisch. Eine ganze Kokosnuss ist viel größer, denn sie ist von einer dicken Faserhülle umgeben. Bevor die Nuss voll ausgereift ist, enthält sie in ihrem Inneren Kokoswasser. Die bekannten Produkte der Kokospalme werden aus dem weißen Inneren der ausgereiften Nuss gewonnen. Dieses getrocknete Kernfleisch der reifen Kokosnuss nennt man Copra bzw. Kopra.

Ein Patenrezept zum Öffnen der Nuss

Normale Version: Mit einer scharfen Machete hackt man am Stielansatz mehrere Scheiben oder 5 cm von der Schale glatt weg. Hat man eine frische grüne Coco kann man nun mit der Machete ein kleines Dreieck an der geöffneten Seite ausstechen und kann das Fruchtwasser der Coco wie aus einem Becher trinken. Reife Cocos haben eine braune und harte Schale und es braucht mehr Kraft, diese mit der Machete rundum zu lösen. Vorsicht, diese Arbeit ist gefährlich. Die Nuss freigelegte kann man nun mit der Machete aufschlagen und das reife, harte Fruchtfleisch mit der Machete lösen.

Europäische Version: Mit Hilfe von Hammer und Nagel zwei oder drei Löcher in die Kokosnuss schlagen, am einfachsten, geht das an den Grübchen (Keimporen oder Augen) unter dem Bart. Damit das Fruchtwasser sauber abläuft, gibt man die Nuss in ein Sieb und lässt sie austropfen. Fließt das Wasser nicht gleich aus, kurz mit einem Korkenzieher nachbohren.
Zum Öffnen der harten Schale empfiehlt es sich, die Nuss 15 bis 20 Minuten in den 200 Grad heißen Backofen zu legen. Dann springt die Schale von allein auf und kann mit kurzen Hammerschlägen gespalten werden. Nun lässt sich das Fruchtfleisch herausschaben.
Steinschale
Aus halbierten Kokosnussschalen (innere Steinschalen) können Trinkgefäße, Schalen, Krüge, Tassen, Löffel, Vasen hergestellt werden. Auch Kunsthandwerk wie Schnitzereien, Spielzeug und Taschen werden aus den Schalen hergestellt.
Kokosfasern
Aus dem Mesocarp unreifer Früchte werden Kokosfasern gewonnen, die zu Garnen verarbeitet werden können. Es handelt sich um Faserbündel, die durch einen Pektin - Abbau durch Mikroorganismen aus dem umliegenden Gewebe getrennt gewonnen werden. Dazu wird der Mesocarp zunächst vom Steinkern gelöst und dann zur Verrottung des Pektins („Röstung“ genannt), mehrere Monate im Wasser gelagert. Bewährt haben sich dazu die Brackwässer von Lagunen. Heute werden aber vielfach Tanks benutzt. Nach diesem „Röstvorgang“ werden die Fasern traditionell durch Klopfen gelöst (heute maschinell) und noch feucht nach Farbe und Feinheit sortiert. Sie bestehen zu 45 % aus Lignin und zu 44 % aus Zellulose. Kokosfasern werden unter dem Namen Coir gehandelt. Sie dienen der Herstellung von Seilen, Matten, Teppichen und Wandverkleidungen.
Fasern von reifen und vollreifen Früchten haben einen höheren Holzanteil, lassen sich daher nicht verspinnen und werden als Füllmaterial für Matratzen und Polster oder zur Wärmedämmung verwendet.

Kokoswasser

Im Hohlraum befindet sich etwa ein Liter süßliche, fast klare Flüssigkeit, das Kokoswasser. Dieses ist keimfrei, solange die Nuss geschlossen bleibt. In den Anbauländern ist das Kokoswasser der weniger reifen Früchte ein wichtiger Trinkwasserersatz. Das Kokoswasser wird mit zunehmender Reife weniger, aber restlos verbraucht wird es erst bei der Keimung.
Auf Inseln ohne Quellen werden pro Person und Tag drei bis sechs Kokosnüsse zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs benötigt. Üblich ist die Versorgung des Flüssigkeitsbedarfs durch Kokoswasser zum Beispiel auf den Molukken und Karolinen. Es wird entweder roh getrunken oder zu Kokoswein vergoren. Aus dem vergorenen Kokoswasser wird auch ein Branntwein destilliert. An der enthaltenen Menge Kokoswasser kann abgeschätzt werden, wie lange eine Nuss gelagert wurde. Je frischer die Nuss, desto mehr Kokoswasser befindet sich darin.
Medizinisch ist das sterile und isotonische Kokoswasser unter Notfallbedingungen intravenös als Infusionslösung zur Behandlung des Volumenmangelschocks eingesetzt worden. Bei Durchfallerkrankungen wird Kokoswasser in einigen Ländern traditionell zum Flüssigkeitsausgleich eingesetzt. Wegen des zu niedrigen Kochsalz- und Glukosegehalts stellt Kokoswasser keine Alternative zu der von der WHO empfohlenen Oralen Rehydrationslösung dar.

Kokosmilch

Kokosmilch entsteht nicht in der Nuss, sondern wird hergestellt, indem das Fruchtfleisch mit Wasser püriert und die Mischung dann durch ein Tuch ausgepresst wird. Es entsteht eine aromatische, milchige Flüssigkeit mit üblicherweise ca. 15 bis 25 % Fettgehalt, je nach verwendeter Wassermenge. Die zurückbleibende, faserige Masse wird nochmals mit kochendem Wasser extrahiert und ausgepresst, was eine dünnere Kokosmilch ergibt. Der dann verbleibende Rest wird als eiweißreiches Tierfutter verwendet. Kokosmilch wird in den Anbauländern kleinindustriell erzeugt und in Konserven oder als ultrahocherhitzte Kokosmilch weltweit exportiert.
Kokosmilch kann anders als tierische Milch wegen ihres zu hohen Fettgehalts nicht dauerhaft homogenisiert werden. Fett- und Wasseranteil trennen sich daher in der Verpackung natürlicherweise voneinander und müssen vor der Verwendung bei Bedarf durch Schütteln oder Rühren neu vermischt werden. In den Anbauländern ist dies bekannt und akzeptiert; bei in westlichen Ländern verkaufter Kokosmilch sind teilweise Emulgatoren und/oder Verdickungsmittel zugegeben, um dieser Trennung entgegenzuwirken.

Kokosöl oder Fett
 
Aus dem getrockneten Kopra wird Kokosöl beziehungsweise Kokosfett gepresst. Kokosöl ist ein ideales Brat - und Frittierfett. Es spritzt nicht und brennt nicht an. Darum kann man damit selbst lecker Pommes oder Fisch frittieren.

Palmherz

Das Palmherz, von dem das Wachstum sowohl der Blätter als auch der Blütenstände ausgeht, das teilweise auch Vegetationskegel genannt wird, wird beim Fällen der Bäume entnommen und unter dem Namen Palmherz als Grundlage für Salat verkauft. (Auch aus anderen Palmen werden Palmherzen gewonnen, was die Bäume immer tötet, weil damit der Wachstumskern zerstört wird.)

Palmnektar als Grundlage für Palmwein, Palmhonig, Palmessig

Der Vitamin – B - reiche Saft der Palme, auch Palmnektar genannt, der vor allem aus dem Blütenstand gewonnen wird, wird zu Palmwein vergoren oder eingedickt als süßer Palmhonig oder Palmzucker genossen. Länger stehender Palmwein wandelt sich in Palmessig um. Palmwein wird teilweise zu Arrak gebrannt. Die Palmweinherstellung aus dem Blutungssaft der Blütenstände wurde von den Filipinos eingeführt. Auf spanischen Schiffen wurde Palmwein nach Mexiko exportiert und ist dort bis heute ein populäres Getränk. (Palmwein wird auch aus anderen Palmenarten bereitet.)

Quellen: diverse Seiten & Wikipedia

Freitag, 14. September 2012

Kokos flechten



Über die Cana Palme und Kokospalme hatte ich zum Teil schon berichtet. In den letzten Wochen hatte ich Zeit und Gelegenheit, mich etwas näher mit den Palmenblättern zu beschäftigen. Ich liebe es, Dinge mit eigenen Händen zu machen. Unser Luxus besteht darin, dass wir Zeit haben und nach all den Aufbau - und auch bereit Umbau - und Renovationsarbeiten konnte ich mich mit diesem Blatt, dem Palmenblatt beschäftigen. Es ist wirklich ein Blatt und kein Ast. Eigentlich ist eine Palme eine riesige Grasart und kein Holz im herkömmlichen Sinn. Klar kann man einen Palmenstamm als Baum bezeichnen aber ein Dinosaurier ist/war auch bloß eine riesige Echse. Somit also zu diesem Riesengras. So ein Palmenblatt wird über drei Meter lang und hat sehr viele Blattsegmente. Darum sagt man auch Palmwedel. Ein Palmwedel ist sehr symmetrisch und zwei Palmwedel gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. Ein frischer Palmwedel wiegt ca. 7 kg und nach 3 Tagen beginnt er systematisch zu trocknen. Letztlich wiegt ein komplett getrockneter Palmwedel weniger als 1 kg und ist „federleicht“.

Wenn man also mit so einem Palmwedel arbeiten will, ist eine gewisse Eile geboten, sonst trocknet einem das Material unter den Händen weg. Am leichtesten lassen sich logischerweise frische Palmwedel verarbeiten. Ich habe nicht gezählt, wie viele Verknüpfungen es sind, bis man zwei Palmwedel komplett verflochten hat. Es sind weit über 1000, soviel steht fest und man braucht Geschick und manchmal auch Kraft. Zudem ist es pure Mathematik oder logisches Denken und wenn man einen Fehler beim Knüpfen macht, zieht er sich durch das ganze Flechtwerk wie ein roter Faden. 



Darum muss man sich zuerst genau Gedanken darüber machen, was das letztlich werden soll.  Das ist ein Lernprozess wie bei Allem und man muss genug Zeit einplanen. Ob man eine grosse Matte flechtet, ein Tischset, einen Hut, eine Türe, einen Regalboden oder eine komplette karibische Schrankwand – alle ist mit diesem Material möglich. Das Material trocknet von selber und man kann es danach behandeln oder der Natur ihren Lauf lassen.  Sauber geflochtene Palmblätter werden sehr widerstandsfähig. Sie brechen nicht wie Papier. Aus Papyrus hat Thor Heyerdal ganze Schiffe gebaut und ist damit quer durch die Welt gereist. Man muss nur wissen wie.

Geflochtene Türen sind zwar praktisch dicht aber dafür später sehr Luftdurchlässig und somit ideal, um Kleider in der Karibik luftig aufzubewahren. Der Staub und Schutz bleibt draußen, aber die Feuchtigkeit kann zirkulieren und das ist wichtig, denn ansonsten modert die Wäsche im Schrank und schimmelt im schlimmsten Fall weg. 




 Wer also später Lust und Laune hat, dem werde ich in einen Speziellen Urlaubsworkshop zeigen, wie man mit Kokos umgeht und so kann sich der interessierte Gast bei uns in der Casa de Norma sein eigenes Urlaubssouvenir selber flechten. Er kann dann stolz sagen, dass er das 100 % selber gemacht hat. eine weitere Idee, die hoffentlich bei unseren Gästen in der kommenden Hochsaison Anklang findet.


Donnerstag, 13. September 2012

Handgemachte Kokosmatten und Möbel

mein neues Hobby oder liebste aktuelle Nebenbeschäftigung - ich habe mir selber das Kokosmattenknüpfen beigebracht und das macht riesen Spass. Vorallem das Material ist unheimlich vielsseitig und man kann sehr viele haltbare Dinge daraus machen. Genauer Beitrag folgt umgehend.. hier erst mal ein Foto!

In der kommenden Hochsaison werde ich soweit sein, Touristenworkshops zu veranstalten - das hand & selbst gemachte Samana Souvenir für alle, die Geduld haben und wissen wollen wie das funktioniert - statt kaufen, selber machen bei uns in der Casa de Norma!

Montag, 3. September 2012

Die Cana Palme Puerto Rico palmetto - Puerto Rican Hat Palm (Sabal causiarum)



Die Cana Palme
Puerto Rico palmetto  - Puerto Rican Hat Palm (Sabal causiarum)


Es gibt interessante Themen, über die man Informationen sucht und praktisch nichts findet. So ging es mir mit der Cana Palme. Sonntag ist ein guter Tag der Suche im Internet. Aber es geht um ein wichtiges "Utensil" aller Karibikfans! Jeder hier kennt sie, weiß was man damit macht und trotzdem scheint sie nicht der Rede wert zu sein. Nun, ich finde das nicht und hab mal etwas über diese Kulturpflanze wissenswertes zusammengesucht – auf Deutsch! Hier nun also ist sie; die Information über die Schützende Haube aller Strandbudenliebhaber, Tipico Restaurants und Strandrestaurants auf Samana.



Die Cana Palme stammt ursprünglich aus Puerto Rico. Der Trivial-Name erläutert die richtige Schreibweise, Puerto Rican hat palm, da aus ihren Blättern Hüte geflochten werden, Hut = lat. causia.
Sabal causiarum ist eine bis zu 10 m große Palme mit dickem Stamm und den für Sabalpalmen typischen fächerförmigen Blättern. Gut unterscheidbar sind ältere Exemplare an den frühzeitig abfallenden Blattscheiden und dem weißen Stamm.

Diese außergewöhnliche Palme ist eine der größten und schnell wachsendsten Palmen der Sabal-Gattung. Sie ist auf den Karibischen Inseln von Puerto Rico und Hispaniola beheimatet, wo sie recht häufig in verschiedenen Lebensräumen zu finden ist. Sie verfügt über einen dicken, glatten, grauen Stamm und eine dichte Krone aus stark costapalmaten, bläulich grünen Blättern. In Kultur ist sie so leicht zu halten wie jede andere Sabal und obwohl sie nicht so frostbeständig ist wie viele ihrer Artgenossen, so hält sie gelegentlichen Frost doch gut aus. Trotz der gewissen Frosttoleranz ist sie wahrscheinlich nur mit aufwändigem Schutz im Freiland zu halten. Besser als Kübelpflanze, die den Wintergarten oder im Sommer die Terrasse ziert. Am besten gedeiht sie jedoch in den meisten tropischen und gemäßigt warmen Klimata mit heißen Sommern. Hat sie sich erst einmal an ihre Umgebung gewöhnt, dann ist sie selbst gegenüber Dürre und rauem Küstenklima unempfindlich.

Gärtnertipps
Düngung: Die Bäume finden einen Großteil der Substanzen, die sie benötigen, im Nährboden, weil ihre Wurzeln eine Reichweite von mehr als 10 m haben; dennoch ist es empfehlenswert, den Nährboden regelmäßig mit Düngemittel anzureichern, um eine optimale Mineralslazzufuhr zu erreichen; alle 2-3 Jahre mischt man im Frühling oder Herbst rund um den Sstamm ungefär einen Kübel mit organischem, gut gereiftem Dünger.
Wasser: Gießen wir diese Pflanzen nur, wenn die Erde gut trocken ist, mit 1-2 Eimer Wasser ; in dieser Jahreszeit alle 4-5 Wochen , oder auch weniger, wenn das Klima sehr regnerisch ist. Junge, erst kurz eingesetzte Exemplare brauche mehr Pflege als ältere : in Laufe derZeit erlaubt ein gut entwickelter Wurzelapparat, sich mit Regen zu begnügen, ohne dass zusätzlich gegossen werden muss.
Temperaturen: Im Winter brauchen die jüngeren Pflanzen einen leichten Schutz gegen Wind und Kälte; wenn wir junge Exemplare mit einem sehr dünnen Stamm einsetzen, geben wir ihnen eine hohe Stütze, um sie aufrecht zu halten. Für eine ausgeglichene Entwicklung braucht Der Puerto Rico palmetto einen Standort, mit direkte Sonneneinstrahlung für wenigstens einige Stunden täglich.Der Puerto Rico palmetto fürchtet Frost, man hält sie daher im kalten Glashaus oder im Haus; im Frühling kann man sie nach draußen stellen, wenn keine Frostgefahr mehr droht.



Samstag, 1. September 2012

Cocos Dach (Palmenblätter Dach)



Karibische Gemütlichkeit unter dem Palmendach ist etwas, was die Urlaubsstimmung bei vielen Menschen erheblich steigert. Darum wird bei uns hier viel mit dem natürlichen Baumaterial Palmwedel gearbeitet.

Eines vorweg - Palme ist nicht gleich Palme. Da Samana aber eigentlich ein einzig großer Palmenhain ist, liegt es nahe, ein Dach aus diesem Material zu bauen. Cocos & Königspalmen sind hier auf der Halbinsel Samana die typischen Palmen. Für die besonders stabilen und sehr schönen Restaurantdächer nimmt man aber lieber die sehr festen Blätter der Cana Palme. Cana Palmen wachsen nicht auf Samana. Das bedeutet nicht, dass sich die Cocos - oder Königspalmen nicht zum Dächerbauen eignen. Hier kommen nur andere und planerische Details ins Spiel. So ein originales Canadach hat klar seinen Preis, weil das Material aus speziellen Baumschulen aus dem Landesinneren kommt. Ein echtes und richtig verarbeitetes Canadach hält am Strand ca. 7 Jahre, ohne die aggressive Salzluft hält es noch länger.

Zur Coco - Cocosblätter sind nicht gleich Cocosblätter. Wenn man am Strand spazieren geht, liegen diese Blätter meistens einfach lose herum. Der Wind hat sie von der Palme geweht. Eine Cocospalme produziert pro Jahr zwischen 8 – 15 Blätter und genauso viele wirft sie auch ab.  Je nach dem, wie lange und wo diese Blätter nun liegen, verrotten sie sehr schnell. Vor allem in der feuchten Salzluft. Wenn man sie aber trocknet, halten sie sehr lange. Bei der Verarbeitung gibt es viele Tricks, Schnitt & Verarbeitungsarten und im Volksmund viel vorherrschender Aberglaube. Man kann übrigens auch grüne Blätter verarbeiten, wenn sie genug Luft bekommen. Wichtig ist der Dachwinkel, das sich die Feuchtigkeit nicht staut, der richtige Insektenschutz und wie man die Blätter bei der Verarbeitung legt. Wenn all das nicht wichtig ist, man immer genug Nachschub bekommt, muss man so ein Dach einfach öfters erneuern.

Ich habe unser Dach mit Normas Söhnen heute neu gedeckt.  Somit bietet unser Dach wieder Schatten und ist nun hoffentlich dichter als das ersetzte Dach.